Zur Hauptnavigation springen Zum Hauptinhalt springen

Konstruktives Ermahnen kann Schaden vermeiden

 

Die großen Aufreger der letzten Wochen, ja der letzten Jahre hätten sich wohl vermeiden lassen, hätten die Beteiligten eine über 1400 Jahre alte Regel des Hl. Benedikt beherzigt. In der Redaktion der #taz, im Vorstand von #Wirecard, und wohl auch im Freundeskreis von Philipp #Amthor hatte offenbar niemand den Mut, rechtzeitig der Kollegin, dem Kollegen, dem Chef klar und unmissverständlich die Meinung zu sagen: „Was Du da machst oder vorhast, geht einfach nicht. Das verstößt gegen die mindesten Anstandsregeln. Mach das nicht. Du schadest dir selbst und deiner Sache.“ So etwas nennt man in der mönchisch-benediktinischen Tradition „brüderliche Ermahnung“, lateinisch „correctio fraterna“. (Sicher gibt es auch eine „correctio sororia“, also eine schwesterliche Ermahnung.)

Diese schwierige Leistung, einen Freund, eine Freundin, eine Kollegin, einen Kollegen, gar den Chef oder die Chefin auf Fehlverhalten hinzuweisen, ist das Gegenteil von „Corpsgeist“, also von übersteigertem „Wir-Gefühl“. #Corpsgeist führt dazu, dass sogar die schlimmsten Dinge nicht nur vertuscht, sondern am Ende gar noch als richtig und unvermeidbar eingeordnet werden. Corpsgeist statt correctio hat bis in die jüngste Zeit hinein Verbrechen auch in der Kirche gedeckt. Der Schaden ist immens.


Irrtümer

Was ist der Mensch? Unter anderem sind wir alle ganz bestimmt irrende und fehlerhafte Wesen. Das gilt nicht nur für uns Alltagsmenschen; es gilt auch für große Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, ja sogar für Genies der Künste und auch für geschichtliche Heldinnen und Helden des aufrechten Ganges. Niemand ist vollkommen und ohne Fehler.

Auch deshalb gehört es zum Selbstverständnis wissenschaftlichen Arbeitens, dass selbst sorgfältigst begründete Aussagen immer unter Vorbehalt veröffentlicht werden: Neue Erkenntnisse können zur Änderung alter Positionen veranlassen. Daran ist vernünftigerweise nichts zu bemeckern. Ganz im Gegenteil: Korrekturen, zumal Selbstkorrekturen sind ehrenhaft.

Wer Fehler macht ist deshalb nicht schon unglaubwürdig an sich. Es ist lächerlich, wenn z.B. Leugner der Klimaprobleme und Kritiker der Corona-Maßnahmen jede Selbstkorrektur der Fachleute als Nachweis deren Unfähigkeit bewerten. Menschliche Erkenntnis ist prinzipiell „work in progress“, also „auf dem Weg“, unfertig und unvollkommen.

Was für Wissenschaft gilt, gilt noch mehr für Politik. Nicht die Selbst-Korrektur ist das Problem. Falscher Konservativismus, also das sture Festhalten an Positionen, die sich als unhaltbar erwiesen haben, ist zu kritisieren.

Im Beethoven-Jubiläumsjahr erinnere ich mich, dass das Musikgenie zunächst Napoleon als Heroen der Freiheit verehrt und ihm die 3. Symphonie („Eroica“) gewidmet hatte. Er hat diesen Irrtum schnell erkannt und die Widmung auf dem Manuskript ausradiert. Beethoven ist trotzdem ein großer Komponist… 


Die ÖDP Straubing-Bogen verwendet Cookies, um diese Website Ihren Bedürfnissen anzupassen. Zu den Cookie-Nutzungsbestimmungen