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Die Laufzeitverlängerung von Isar I ist ein nicht verantwortbares Risiko

Die Mandatsträger der ödp-Kreisverbände Cham, Straubing-Bogen, Straubing Stadt, Deggendorf und Regen trafen sich am letzten Wochenende in Geiersthal bei Teisnach zu ihrer jährlichen Klausurtagung. Neben mehreren parteiinternen Themen war vor allem die im Raum stehende Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke ein Thema. Hierzu wurde der ödp-Bundesvorsitzende Professor Klaus Buchner als Referent eingeladen.

Buchner referierte über das Thema Sicherheit, Risiken und Zukunftsfähigkeit der Kernenergie. Buchner ist Atomphysiker und war früher ein Befürworter der Kernenergie. Er war unter anderem Mitarbeiter von Werner Heisenberg am Max-Planck-Institut für Physik in München. Nach der Mitarbeit bei mehreren Genehmigungsverfahren für Atomkraftwerke hatte er seine Einstellung gegenüber der Kernenergie geändert und ist nun ein entschiedener Gegner dieser Technologie. Buchner beleuchtete das Thema Sicherheit der Atomkraftwerke. Auch deutsche AKWs haben und hatten gravierende, teilweise hoch gefährliche Störfälle und Unfälle, die teilweise nur knapp einer Katastrophe entgangen seien. Fast allen war gemeinsam, dass Sie durch teilweise groteske Fehler bei der Bedienung, in der Konstruktion der Reaktoren oder der Kombination aus beidem verursacht wurden. Buchner ging auch speziell auf die Unsicherheit des AKW Isar I ein. Bei diesem Kraftwerk, das im wesentlichen baugleich mit den Pannenreaktoren Krümmel und Brunsbüttel sei, wurde 1993 zufällig entdeckt, dass sich im Stahl von Druckbehälter und Rohrleitungen durch den ständigen Neutronenbeschuss Risse bildeten. Dabei halte der Druckbehälter der Kraftwerks auch ohne diese Beschädigungen nur gut der Hälfte des Drucks stand, der auch im Rahmen von Druckschwankungen auftreten kann, die im normalen Betrieb auftreten können. Dies sei in einem Gutachten dargelegt worden und könnte sogar im Normalbetrieb zu einer katastrophalen Freisetzung von Radioaktivität führen. In Österreich führte unter anderem dieses Gutachten dazu, dass das einzige in Östrerreich geplante Kernkraftwerk nicht fertig gestellt wurde. Mittlerweile würden die Reaktoren zwar besser kontolliert. Bei Isar I gebe es aber Stellen, die schwer zu kontrollieren seien oder aufgrund der starken Verstrahlung gar nicht kontolliert werden könnten. Die Wandstärke des Reaktorgebäudes von Isar I habe nicht einmal ein Drittel der Stärke, die notwendig wäre, einem Flugzeugabsturz Stand zu halten. Bereits Wrackteile könnten das Dach des Reaktorgebäudes so stark beschädigen, dass Radioaktivität in dem Ausmaß freigesetzt werde, das einem Super-GAU entspräche. Gerade bei Siedewasserreaktoren wie Isar I würden auch im Normalbetrieb erhebliche Mengen Radioaktivität freigesetzt. Auch die Notstromversorgung bereite erhebliche Probleme. Diese sei aber für die Nachkühlung bei einer Schnellabschaltung zur Verhinderung einer Kernschmelze unabdingbar. Auch bei Isar I seien schon einmal 5 von 6 Notstromaggregaten ausgefallen. Das Problem werde auch heute noch nicht beherrscht. Buchner erklärte, warum Atomkraft keine Brückentechnologie sei. In Deutschland liefen zwei AKW nur für den Export. Zwei weitere waren 2009 abgeschaltet. Trotzdem gab es einen Stromüberschuss. Wenn 2009 die sieben ältesten AKWs abgeschaltet worden wären, hätte es der Stromverbraucher nicht bemerkt. Auch entstünden bei der Herstellung der Brennelemente Klimagifte. Im Reaktor entstehe der Klimakiller Kryton 85, was bei der Aufarbeitung nach dem Austausch der Brennelemente frei werde. Bei Berechnung der Einsparung von CO² sei bei Einrechnung der Urangewinnung und der Brennelementeproduktion nur noch die Kohlekraft schlechter als die Kernenergie. Strom aus Kernkraftwerken sei somit alles andere als Ökostrom. Die Halbwertszeit von Plutionium 242 sei 370.000 Jahre. 30 millionstel Gramm dieses Stoffs seien tödlich. Jedes AKW produziere Tonnen von Plutonium 242. Die Lagerung müsste deshalb nicht nur 1 Million, sondern 10 Millionen Jahre gesichert sein. Somit dürfte es unmöglich sein, ein dauerhaft sicheres Endlager zu finden. Kernenergie befriedige unseren Energiehunger aufkosten unzähliger nachfolgender Generationen. Dabei spiele die Kernenergie weltweit bei der Stromversorgung mengenmäßig eine zu vernachlässigende Rolle. Bei der Berechnung der Häufigkeit von Krebsfällen, die durch den Betrieb von AKW verursacht würden, sei statistisch falsch gearbeitet worden. Tatsache sei, dass im direkten Umfeld von AKWs Kinder unter 5 Jahren um 53 % häufiger an Krebs erkrankten als in vergleichbaren Gebieten. Jedes Kraftwerk dürfe auch im Normalbetrieb unverantwortbar große Mengen Radioaktivität freisetzen. Dies erkläre die Kinderkrebsfälle im Umfeld der Reaktoren. Diese Tatsache werde von der Bundesregierung bewusst verheimlicht. Atomkraftwerke lösen Krebs aus. Das sei wissenschaftlich gesichert. Prof. Buchner wies abschließend auf die Demonstration am 9. Oktober in München hin, die sich gegen die Laufzeitenverlängerung der Kernkraftwerke richte. Der gesamte Inhalt des Vortrags kann momentan auf der Startseite, und später unter der Rubrik 'Themen' nachgelesen werden.

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